Liturgie & Dienst

Liturgische Farben und das Kirchenjahr

Was bedeuten die Farben Weiß, Rot, Grün, Violett, Schwarz, Rosa und Gold?

Liturgie Kirchenjahr
Liturgische Farben und das Kirchenjahr

Liturgische Farben und das Kirchenjahr

Das katholische Kirchenjahr ist ganz schön bunt und voller Abwechslung. Für Ministrantinnen und Ministranten gehört das Wissen um die verschiedenen Zeiten und die dazugehörigen Farben zum absoluten Grundwissen. Eine der häufigsten Fragen, die in der Sakristei vor dem Gottesdienst gestellt wird, lautet daher: „Welche Farbe haben wir denn heute?“. Die Farben der Priestergewänder (wie der Kasel) und der Ministrantengewänder richten sich streng nach der jeweiligen Zeit im Kirchenjahr oder dem Fest, das gerade gefeiert wird. Das Kirchenjahr beginnt dabei nicht wie das Kalenderjahr am 1. Januar, sondern mit dem ersten Adventssonntag und endet mit dem Christkönigsfest. Im Folgenden schauen wir uns den Aufbau des Kirchenjahres und die tiefere Bedeutung der liturgischen Farben genauer an.

Die wichtigsten Zeiten im Kirchenjahr

Das Kirchenjahr führt uns durch das gesamte Leben, Leiden und die Auferstehung Jesu Christi. Es ist in verschiedene Festkreise und Zeiten unterteilt:

  • Der Advent: Das Kirchenjahr beginnt mit der Adventszeit. Diese Zeit ist eine Zeit der Stille, der Besinnung und der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu Christi. Hier bereiten sich die Gläubigen innerlich auf das große Fest seiner Geburt vor.
  • Weihnachten: In der Weihnachtszeit feiern wir die Geburt Jesu . Gott wird Mensch und kommt als Kind in die Welt. Zu diesem Festkreis gehören auch Feste wie die Taufe des Herrn (der Sonntag nach dem 6. Januar) .
  • Die Fastenzeit: Mit dem Aschermittwoch, an dem die Gläubigen das Aschenkreuz als Zeichen der Umkehr empfangen, beginnt die 40-tägige Fastenzeit . Es ist eine Zeit, in der man nachdenken und überlegen soll, was im Leben wirklich zählt und was uns hindert. Die Fastenzeit mündet in die Karwoche (Heilige Woche), die mit dem Palmsonntag beginnt. Zu ihr gehören der Gründonnerstag, der Karfreitag (der Tag des Leidens und Sterbens Jesu) und der Karsamstag, an dem Jesus im Grab ruht und keine liturgische Feier stattfindet.
  • Ostern: Ostern ist das höchste Fest der Christen. In der Osternacht wird die Dunkelheit durch das „Lumen Christi“ (Christus, das Licht) erhellt, wenn der Priester mit der brennenden Osterkerze in die Kirche einzieht . Die Osterzeit feiert die Auferstehung Jesu und die Verwandlung zu neuem Leben.
  • Die Zeit im Jahreskreis: Die Zeit im Jahreskreis umfasst all jene Sonntage und Werktage, an denen kein besonderes Hochfest gefeiert wird. Aber auch in diesen „gewöhnlichen“ Zeiten möchte Jesus bei den Menschen sein und ihr Leben durchdringen.

Die liturgischen Farben und ihre Verwendung

Um die Geheimnisse und Stimmungen der verschiedenen Zeiten im Kirchenjahr sichtbar zu machen, nutzt die Liturgie verschiedene Farben. Mit einem Bodenbild oder Farbkarten kann man sich diese als Ministrant besonders gut einprägen. Hier ist die Bedeutung der einzelnen Farben:

  • Weiß: Weiß ist die Farbe der Reinheit, des Lichtes, der Freude und der Festlichkeit. Sie erinnert uns auch an das Taufkleid, das wir bei der Aufnahme in die Kirche getragen haben. Weiße Gewänder werden an den großen Hochfesten der Weihnachts- und Osterzeit getragen, an Christi Himmelfahrt und an Fronleichnam. Auch an Gedenktagen von Heiligen, die keine Märtyrer waren, wird Weiß verwendet.
  • Rot: Rot ist eine sehr emotionale Farbe. Sie steht für das Feuer, die Liebe, das Blut und ganz besonders für den Heiligen Geist. Deshalb werden rote Gewänder an Festen des Heiligen Geistes, wie Pfingsten oder bei der Firmung, getragen. Da Rot auch an das Leiden Jesu und das vergossene Blut erinnert, kommt es am Palmsonntag, am Karfreitag, an Kreuzerhöhung (14. September) und an Festen von Märtyrern zum Einsatz, die für ihren Glauben gestorben sind.
  • Grün: Grün ist die Farbe der Natur, des Sommers, des Lebens und der Hoffnung. Die grünen Gewänder werden an allen Sonntagen und Werktagen in der Zeit im Jahreskreis getragen, also in den Zeiten zwischen den großen Festkreisen.
  • Violett: Violett ist die Farbe der Buße, der Besinnung, der Umkehr und der Vorbereitung. In den Zeiten, in denen Violett getragen wird, machen wir uns für die großen Feste bereit. Daher ist sie die Hauptfarbe in der Adventszeit und in der Fastenzeit. Violett kann zudem am Gedenktag Allerseelen oder bei Beerdigungen verwendet werden.
  • Schwarz: Schwarz steht vor allem für die Trauer, die Nacht und die Dunkelheit. Wenn eine Pfarrei schwarze Gewänder besitzt, werden diese bei Messen für Verstorbene und bei Beerdigungen getragen.
  • Rosa: Rosa ist ein „aufgehelltes Violett“ und markiert die Halbzeit der großen Vorbereitungszeiten. Es bietet bereits einen kleinen, freudigen Vorausblick auf die kommenden Feste Weihnachten und Ostern. Rosa wird an exakt zwei Sonntagen im Jahr getragen: am 3. Adventssonntag (Gaudete) und am 4. Fastensonntag (Laetare).
  • Kirche. Sie drückt die höchste Herrlichkeit, Erhabenheit und das göttliche Licht aus. Goldene Gewänder werden oft anstelle von weißen Gewändern an den allerhöchsten Feiertagen getragen, wie zum Beispiel am Ostersonntag oder am 1. Weihnachtsfeiertag, um die besondere Kostbarkeit und den Jubel dieser Feste zu unterstreichen.

Die liturgischen Farben sind also weit mehr als nur Dekoration. Sie helfen der Gemeinde und euch Ministrantinnen und Ministranten dabei, das Kirchenjahr mit all seinen emotionalen Facetten – von der stillen Buße im Advent bis zum strahlenden Jubel an Ostern – ganzheitlich zu erfahren und zu feiern.