Warum ich gerne Mini bin - Erfahrungsberichte

Ministrantinnen und Ministranten erzählen, warum sie ihren Dienst am Altar lieben.

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Warum ich gerne Mini bin - Erfahrungsberichte

Warum ich gerne Mini bin - Erfahrungsberichte

Das Wort „Ministrant“ leitet sich vom lateinischen Begriff „ministrare“ ab, was so viel wie „dienen“ oder „helfen“ bedeutet. Schätzungen zufolge gibt es allein in Deutschland rund 400.000 Kinder und Jugendliche, die sich ganz bewusst für diesen besonderen Dienst am Altar entscheiden. Sie übernehmen dabei weit mehr als nur praktische Handgriffe: Ministrantinnen und Ministranten betonen den Fest- und Feiercharakter eines Gottesdienstes, indem sie Licht, Farben, Formen und Bewegung in das Geschehen bringen. In der Liturgiewissenschaft spricht man von drei zentralen Dimensionen ihres Dienstes: der Assistenz für den Priester, der Animation der Feier durch ästhetische Elemente und der Kommunikation als Vorbilder und Stellvertreter der Gemeinde. Doch was motiviert junge Menschen heutzutage, am Sonntagmorgen früh aufzustehen und sich am Altar zu engagieren? In den folgenden Erfahrungsberichten erzählen vier Ministrantinnen und Ministranten unterschiedlichen Alters, was diesen Dienst für sie so einzigartig macht.

Leonie (10 Jahre): "Die Ministunden sind das Beste!"

Ich bin vor knapp zwei Jahren Mini geworden, kurz nach meiner Erstkommunion . Meine große Schwester war da schon lange dabei, und ich fand es immer toll, sie in ihrem Gewand vorne am Altar zu sehen. Am Anfang war ich ziemlich nervös, weil man sich viele Dinge merken muss: Wann man aufsteht, wann man sich setzt und wie man sich bei der Gabenbereitung verbeugt. Das Besondere an meinem Dienst ist, dass ich oft als Fackelträgerin – wir nennen das Fakulant – eingeteilt bin. Es ist ein schönes Gefühl, mit den Kerzen das Licht in die Kirche zu tragen und den Gottesdienst heller zu machen.

Mein absolut schönstes Erlebnis war meine feierliche Aufnahme in die Ministrantengemeinschaft. Das war in einem großen Sonntagsgottesdienst, bei dem wir neuen Minis gesegnet wurden und unser eigenes Ministrantenkreuz überreicht bekommen haben. Außerdem liebe ich unsere wöchentlichen Ministrantenstunden. Da lernen wir nicht nur die Abläufe in der Kirche, sondern spielen auch total viel zusammen im Miniheim, schauen Filme oder gehen an heißen Tagen einfach mal ein Eis essen. Das ist ein toller Ausgleich.

„Anderen Kindern würde ich sagen: Traut euch einfach! Es macht riesigen Spaß, man findet schnell neue Freunde in seinem Alter, und wenn im Gottesdienst mal etwas schiefgeht, ist das überhaupt nicht schlimm – wir üben das ja alles gemeinsam!“

Jonas (13 Jahre): "Feuer und Flamme für den Weihrauch"

Ministrant bin ich geworden, weil ich schon als kleines Kind total fasziniert vom Weihrauchfass war. Ich wollte unbedingt derjenige sein, der das Fass schwenken darf! Mittlerweile bin ich alt genug und habe die Grundkenntnisse längst drauf, sodass ich regelmäßig für den Weihrauchdienst eingeteilt werde . Das Besondere an diesem Dienst ist für mich ganz klar die Action. Es ist eine spannende Sache, weil es brennt, richtig gut duftet und vielleicht auch ein kleines bisschen gefährlich ist, wenn man nicht aufpasst. Man muss genau wissen, wie man die glühenden Kohlen zurechtrückt, ohne sich zu verbrennen .

Meine schönsten Erlebnisse haben aber nicht nur mit dem Gottesdienst an sich zu tun. Das absolute Highlight in unserem Jahreskreis ist das Ministranten-Zeltlager. Wir verbringen dort eine unvergessliche Zeit, spielen Fußball, sitzen abends am Lagerfeuer und backen Stockbrot. Solche Erlebnisse schweißen uns als Gruppe extrem zusammen, und bei Unstimmigkeiten suchen wir gemeinsam nach neuen Wegen für ein gutes Miteinander .

„Wenn du überlegst, Mini zu werden, kann ich dir nur sagen: Mach es! Es ist viel mehr als nur sonntags still in der Kirche zu sitzen. Man übernimmt wichtige Aufgaben, lernt, wie man im Team arbeitet, und die gemeinsamen Ausflüge und Lager sind einfach der Wahnsinn.“

Clara (15 Jahre): "Wir bringen das Leben der Gemeinde zum Altar"

Ich bin durch meine besten Freundinnen zu den Minis gekommen. Heute gehöre ich schon zu den sogenannten Akolythen, also zu den „großen“ Ministranten, und übernehme während der Messe viele verantwortungsvolle Aufgaben. Das Besondere am Ministrieren ist für mich die theologische Tiefe, die man mit den Jahren immer besser versteht. Früher dachte ich, wir bringen bei der Gabenbereitung einfach nur Brot und Wein zum Priester. Heute weiß ich: Wir vollziehen diese Handlung als Stellvertreter für die gesamte Gemeinde. In diesen Gaben liegt das menschliche Dasein – wir legen symbolisch die Nöte, den Stress, aber auch die Freuden unserer Gemeinde auf den Altar, damit sie gewandelt werden.

Mein schönstes Erlebnis war definitiv die internationale Ministrantenwallfahrt nach Rom. Mit Tausenden anderen Jugendlichen aus der ganzen Welt auf dem Petersplatz zu stehen und unseren Glauben zu feiern, hat mir Gänsehaut bereitet. Aber auch hier vor Ort merke ich, wie mich der Dienst prägt. Ich habe gelernt, Verantwortung in der Öffentlichkeit zu übernehmen und komplexe Abläufe konzentriert auszuführen, selbst wenn viele Menschen zuschauen.

„Anderen Jugendlichen möchte ich mitgeben: Der Dienst am Altar fördert deine Persönlichkeit ungemein. Du lernst, vor Menschen selbstsicher aufzutreten, und erfährst eine Gemeinschaft, in der Spiritualität und Tradition auch für junge Menschen extrem attraktiv und identitätsstiftend sind.“

Lukas (17 Jahre): "Verantwortung übernehmen als Zeremoniar"

Bei uns in der Familie hat das Ministrieren Tradition. Ich habe mit neun Jahren angefangen und bin mittlerweile Oberministrant. Meine Hauptaufgabe in festlichen Gottesdiensten ist oft die des Zeremoniars. Das bedeutet, dass ich für die Vorbereitung und die Durchführung der gesamten Liturgie verantwortlich bin. Das ist besonders bei einem Pontifikalamt mit dem Bischof sehr anspruchsvoll. Ich muss genau wissen, wann der Bischof die Mitra und den Stab trägt – zum Beispiel beim Einzug oder beim Hören des Evangeliums – und muss ihm diese im richtigen Moment abnehmen oder anreichen. Der Ablauf wird vorher genau besprochen, und ich sorge dafür, dass alle anderen Messdiener auf ihrem Posten sind. Wichtig ist dabei: Ruhe bewahren, nicht genervt auf die Uhr schauen und einfach machen.

Meine schönsten Erlebnisse sind heute die Momente, in denen ich sehe, wie die kleinen Minis, die ich selbst ausgebildet habe, stolz und sicher ihren Dienst verrichten. Wenn ich als Leiter einer Ministrantengruppe Verantwortung für Jüngere übernehme, Aktionen plane und sie in ihrem Tun unterstütze, merke ich, wie aus einer Aufgabe eine echte Berufung wird. Es ist ein Ehrenamt, bei dem man seine Zeit zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen schenkt.

„Jedem, der zweifelt, sage ich: Ministrieren ist ein Ehrenamt, das dir unglaublich viel zurückgibt. Man wächst tief in den Glauben hinein, lernt Verantwortung zu tragen und ist ein lebendiger Rahmen für Jesus und die Gottesdienstgemeinde.“